Fikret Çerçi
Im
sogenannten Großstadt-Ghetto sollen die Gruppen tendenziell nach
Geschlechtern getrennt, aber ethnisch gemischt leben. Typisch für türkische
Jungen sei ihr geringes Interesse an der Schule. Sie würden ihr Leben in
Lokalen des Stadtteils und im Verband einer "street corner society"
organisieren, mit dem Ehrgeiz ein "guter Skater", ein "guter
Rapper oder Breakdancer" zu sein oder auch Geschäfte am Rande der
Legalität machen. Als wichtigste Eigenschaften werden "Härte",
"Coolness" und "Macho-Sein" genannt. Sie bezeichnen sich
oft selbst als "Kanaken"; von Deutschen werden sie u.a. als "Lans",
"Moruks" oder "Proll-Türken" bezeichnet. Eine deutsch-türkische
Mischsprache wie «hey lan, isch geb dir konkret handy» ist
ein Beispiel dafür wie Sprechweisen
der Straße durch mediale Verarbeitung populär werden (2).
Die
jungen Frauen aus dem Ghetto seien ganz anderes orientiert. Vom Äußeren her
seien auch sie auffallend mit ihrer engen, schwarzen Kleidung,
Plateau-Schuhen, dem Piercing, der starken Schminke und den langen lockigen
Haaren. Sie können sich provokativ, derb-anzüglich, oft auch aggressiv
verhalten und reagieren scharf und unerbittlich auf Anmache und Herabsetzung
(2). Ihr Leitbild sei es,
"fit, reaktionsschnell, schön und beruflich erfolgreich" zu sein,
eine Beschreibung die nicht gerade zu dem Bild eines Türkenmädchens mit dem
Kopftuch passen will. Es besteht häufig das Image von den unterdrückten
orientalischen Mädchen oder von deren Depression, weil sie sich selbst im
Frauenparadies des Westens trotz
aller gesetzlichen Freiheiten nicht besonders gut fühlen. Sie würden zu
psychosomatischen Krankheiten neigen oder seien möglicherweise vermehrt
suizidgefährdet. Hierüber existieren kaum verwertbare Studien.
Was
ist davon wahr?
Risikofaktor soziale Lage
Aus
unseren Praxen kennen wir Jugendliche die im Fastenmonat Ramadan wegen
orthostatischen Beschwerden oder Bauchschmerzen vorgestellt werden, bei denen
relativ häufig Helicobacter pylori
nachgewiesen wird und nach einem Heimaturlaub Hepatitis A. Abgesehen von wenigen
selteneren Erkrankungen gibt es keine wesentlichen somatischen Unterschiede
gegenüber gleichaltrigen deutschen Jugendlichen. Manche Eltern fragen nach
einer Zirkumzision oder
konservative versuchen die Teilnahme eines jungen Mädchens bei einer
Klassenfahrt oder beim Sport- und Schwimmunterricht zu verhindern. Dramatischer
wird es wenn Mädchen gegen ihren Willen frühzeitig verheiratet oder aus
anderen Gründen in ihr Herkunftsland geschickt werden sollen. Eine intime
Beziehung mit Verlust der Jungfräulichkeit kann sich zu einer Tragödie
entwickeln.
Allerdings
ist der gesundheitsbezogene Effekt der Herkunftskultur geringer einzuschätzen
als die Folgen der Lebensbedingungen von Migranten im Gastland. Daten zeigen,
dass die Bedingungen des Aufwachsens bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien in
vielen Fällen ungünstiger sind, als die von deutschen Jugendlichen.
Entscheidender Faktor bei der Bestimmung von spezifischen Risikofaktoren ist die
soziale Lage. Sie hat zusammen mit ungünstigeren
schulischen Chancen der Migrantenkinder eine besonders große Bedeutung für das
Auftreten von gesundheitlichem Missbefinden (3,18)
Suchtverhalten
An
körperlichen Beschwerden leiden türkische Jugendliche häufig. Magenschmerzen
sind bei Jungen aus der Türkei doppelt so häufig anzutreffen, wie bei
deutschen. 40% der türkischen Mädchen
klagen über Magenschmerzen und etwas mehr als 45 % geben an, dass sie häufiger
Kopfschmerzen haben.
Bezüglich
der Risikoverhaltensweisen Alkohol- und Zigarettenkonsum ist der Umstand der
Migration von untergeordneter Bedeutung (3).
Die
Anzahl der Drogensüchtigen ist etwa gleich wie bei deutschen Jugendlichen, nur
in einigen Großstädten scheinen sie häufiger betroffen zu sein. Von den
Drogensüchtigen sind ca. 85% Männer. Bei den Frauen und Mädchen sollte man
aber vor allen den Tablettenmissbrauch unter die Lupe nehmen.
Auf
Grund der besonderen Rolle der Mütter sind Projekte wie „Suchtprävention mit
Müttern aus der Türkei“ (5) unterstützenswert.
"Möchtegern"
Etwas
mehr als die Hälfte wünschen sich beide Staatsbürgerschaften. Zwei Drittel
verfügt über einen türkischen, knapp ein Drittel hat einen deutschen Pass und
wenige Jugendliche haben doppelte Staatsbürgerschaft.
Intensive Kontakte nötig
Nur
ein geringer Anteil der Jugendlichen will in die Türkei zurück. Für ihre
Zukunftsplanung gibt es theoretisch
vier verschiedene Möglichkeiten der Entscheidung: Assimilation
(Jugendliche passen sich an die deutsche Gesellschaft an), Segregation
(Jugendliche entscheiden sich für eine türkische soziale Identität), Integration
(Jugendliche entscheiden sich für ein 'sowohl als auch‘ zwischen Mehrheit und
Minderheit) oder Diffusion (Jugendliche fällen in keine Richtung eine
Entscheidung). Tatsächlich entwickeln die Jugendlichen eine soziale Identität,
die man am besten mit sektoral bezeichnen kann.
Notfalls verteidigen
Deutschland
als Staat hat in der türkischstämmigen Bevölkerung einen erstaunlich großen
Rückhalt.
Gefragt, ob sie im Fall eines militärischen Angriffs durch Libyen oder Irak (es
wurde bewusst ein islamisches Land genannt) zur Verteidigung Deutschlands
beitragen würden, entschiede sich etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden
Türken für einen aktiven Verteidigungsbeitrag. Diese Zustimmung zu Deutschland
ist vor dem Hintergrund deutscher Vergleichszahlen hoch. So waren vor dem 11.
September nur 42 Prozent der Ostdeutschen bereit, die Gesellschaftsordnung
Deutschlands zu verteidigen, Westdeutsche zu 73 Prozent (7).
Variablen,
die einen positiven Einfluss auf die Ausbildung einer stabilen türkischen
Identität haben, sind der religiöse Erziehungsstil der Mutter und das türkische
kulturelle Kapital in der Familie (6).
Nach
einer Befragung von 1.221 hier aufgewachsenen türkischen Jugendlichen im Alter
von 15 bis 21 war festzustellen, dass der Islam bei 68% eine große Bedeutung
hat. 67,4% lehnen die Auffassung ab, dass eine Orientierung am islamischen
Glauben zu einer undemokratischen Gesellschaft führe. Ähnlich hoch ist auch
die Ablehnung der Position, dass die Religion die Politik bestimmen müsse.
Gleichwohl bleiben 38,3% der Meinung, dass sich die türkische Politik nach
islamischem Recht ausrichten müsse, und 22,3% plädieren dafür, dass die
Religion die Politik (auch im Sinn der Scharia) bestimmen müsse (9).
Es
gibt eine Gruppe von Jugendlichen, bei denen die Eltern weniger Wert auf die
religiöse Erziehung legen. In dieser Gruppe sind die türkische Identität, die
Betonung der Geschlechtsrollendifferenz und das türkische kulturelle Kapital am
geringsten ausgeprägt. Die Bereitschaft zur bikulturellen Identität ist bei
ihnen am höchsten. (6)
Freizeitgestaltung
Fernsehen
Türkische
Kinder und Jugendliche in Deutschland füllen ihre Freizeit vielgestaltiger als
häufig angenommen. Nach einer Untersuchung des Bundespresseamtes
„Mediennutzung und Integration türkischer Kinder 2000 in Deutschland“
sitzen sie keineswegs von morgens bis abends vorm Fernseher, um sich von türkischen
Programmen berieseln zu lassen. Lieber treffen sie Freunde, spielen oder hören
Musik und treiben Sport. Trotzdem ist das Fernsehen, ähnlich wie bei den
deutschen Altersgenossen, aus dem Alltag der Jugendlichen nicht wegzudenken. Türkische
Kinder haben vergleichsweise häufig Zugang zu einem Fernsehgerät, 77 Prozent
geben Fernsehen als tägliche Freizeitbeschäftigung an.
Dabei liegt der Anteil der Kinder türkischer Herkunft, die
deutschsprachiges Fernsehen dem türkischen Fernsehen vorziehen bei über 60
Prozent. Letzteres wird von nur etwa 7 Prozent ausschließlich wahrgenommen.
(17) Jeder zweite Türke ist in seiner Mediennutzung „zweisprachig“.
Die
türkischsprachigen Medien werden kritisch gesehen: Nur 14 Prozent der Deutschen
türkischer Herkunft vertrauen türkischen Zeitungen und lediglich 11 Prozent
dem türkischen Fernsehen (7).
Sport
Türkische
Jugendliche sind weitaus häufiger in deutschen Vereinen und Gewerkschaften
organisiert als in türkischen. 52 Prozent der türkischen Jugendlichen sind
sowohl in einem türkischen als auch in einem deutschen Verein Mitglied (10).
Der Deutsche Sportbund betreibt seit vielen Jahren aktive Integrationsarbeit. Türkische
Jungen gehören fast genauso häufig Sportvereinen an wie deutsche Jungendliche,
die Mädchen aber selten.
Traditionelle Bilder
Familien
der türkischen Jugendlichen sind häufig
traditionell-patriarchisch geprägt. Mädchen und Jungen werden in Richtung der
traditionellen Geschlechtsrollen erzogen. Sexualität wird tabuisiert. Eine
sexuelle Aufklärung durch das Elternhaus findet zumeist nicht statt. Erziehung
im Sinne traditioneller Werte heißt für die Mädchen, dass sie mit zunehmendem
Alter, spätestens mit Eintritt der Pubertät einer besonderen Kontrolle
unterliegen, die den guten Ruf der Tochter und damit die Ehre der Familie
sicherstellen soll. In islamisch geprägten Moralvorstellungen kommt dem Gebot,
Sexualität ausschließlich in der Ehe zu leben, große Bedeutung zu. Verliert
eine Frau vor der Ehe ihre Jungfräulichkeit oder begeht Ehebruch, verliert sie
nicht nur ihre Ehre, sondern die „Schuld“ ihres Vergehens fällt auf die
Familienangehörigen zurück (Hier ist an die Möglichkeit einer Hymen-Plastik
zu denken). Viele türkische jungen Männer teilen Mädchen in sogenannte
„Familienmädchen“ (die Ehrbaren) einerseits und „Straßenmädchen“ (die
Unehrenhaften) andererseits ein. Die Masturbation zählt
zu sexuellen Verstößen. In der türkischen Kultur wird den Jugendlichen
männlichen Geschlechts im Gegensatz zu den Mädchen ein recht großer Freiraum
in Sachen Sexualität und Partnerschaft zugestanden. Weibliche und männliche
Homosexualität werden als schwere Sünde und Verbrechen gegen die gottgegebene
Ordnung eingestuft. Beim homosexuellen Akt zwischen Männern wird eher der
passive Homosexuelle, der in der Stellung die
Frauenrolle einnimmt als eigentlicher Schwuler
(ibne) bezeichnet gilt somit als „ehrlos“. (11)
Unter Mädchen
Die
türkischen Mädchen wünschen sich eine Sexualerziehung durch eine Lehrerin,
die in geschlechtshomogenen Gruppen stattfindet. Sie würden gerne mehr über
den eigenen Körper wissen, haben oft Probleme,
über die sie sich nicht trauen zu sprechen und fühlen sich häufig durch Sex
in Medien verunsichert. Viele empfinden es als eine Benachteiligung, dass sie im
Haushalt mehr als Jungen gefordert werden. Sie finden in ihren Eltern seltener
als deutsche Kinder Ansprechpartner, denen sie Kummer anvertrauen können (11).
Aufklärungsmaterialien
für Mädchen und Jungen aus Migrantenfamilien sollten klar und verständlich
biologische Sachinformation vermitteln und dabei die für die jeweilige Kultur
kennzeichnenden Themen und Tabuisierungen aufgreifen. So sollte beispielsweise
in Materialen für moslemische Mädchen über die Bedeutung des Jungfernhäutchens
informiert werden oder in Materialien zur Aids-Prävention darauf hingewiesen
werden dass Olivenöl bei Verwendung von Kondomen kein geeignetes Gleitmittel
darstellt. Große Bedeutung kommt auch der Information der Eltern zu.
Familie
Patriarchalische Gewalt
Die
Familie wird zum Austragungsort von wachsenden Konflikten, in denen ein Teil der
Väter unter Einsatz körperlicher Gewalt versucht, eine traditionelle Ordnung
aufrecht zu erhalten. Die besonders hohe Gewaltrate männlicher türkischer
Jugendlicher erscheint damit auch als Ausdruck eines Männlichkeitskonzeptes,
das unter den sozialen Rahmenbedingungen unseres Landes mit wachsender
Aufenthaltsdauer in eine tiefe Legitimationskrise gerät.
Straftäter
Der
Frage der innerfamiliären Gewalt muss in jedem Fall eine große Beachtung
geschenkt werden. Bei der Ermittlung der ethnischen Zusammensetzung der jungen
Gefangenen in den westdeutschen Jugendstrafanstalten war der Anteil der jungen Türken
fast dreimal so hoch wie ihr Bevölkerungsanteil in der entsprechenden
Altersgruppe(12). Je besser die soziale Integration der jungen Türken und ihrer
Familien gelingt, umso niedriger war die Gewaltrate ausgefallen. Für das
Hineinwachsen der jungen Migranten in unsere Gesellschaft hat möglicherweise
auch Bedeutung, in welchem Ausmaß sich diese in ihrer Umwelt akzeptiert
sehen(13).
Respektpersonen
Größten
Respekt genießen an erster Stelle die Mütter. Sie sind nicht selten die
Achillesferse der türkischen Männer und müssen bei Präventionsbemühungen
unbedingt beachtet werden. Bei Beratungen können manchmal auch ältere Brüder
(ağabey),
ältere Schwester (abla) aber auch manchmal andere Respektpersonen (Ärzte) eine
große Rolle spielen.
Wandlungen
Einiges
ändert sich mit der Zeit. Beispielsweise konnten in einer Zufallsstichprobe türkischer
Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren in Berlin im Jahre 2000 keine
stark patriarchalischen Einstellungen festgestellt werden. Für die meisten
Befragten war es allerdings sehr wichtig, später einmal eine eigene Familie zu
gründen. Fast alle gaben an, dass der Vater bzw. die Eltern keinen Einfluss auf
die Entscheidung bei der Berufswahl hatten, allerdings äußerten auch die
meisten, dass das Familienoberhaupt bei schwierigen Entscheidungen das „letzte
Wort“ habe (16).
Schule und Ausbildung
Bildungsmisere
Die
soziale Integration in die deutsche Gesellschaft soll während der Schulzeit bewältigt
und mit der emotionalen Assimilation an das Türkische zu vereinbaren versucht
werden. Erstaunlicherweise scheint die Schule aber keinen wesentlichen
Beitrag für eine Verbesserung der sozialen Integration türkischer
Jugendlicher zu leisten, was sich besonders an fehlender Sprachkompetenz zeigt.
Kinder
bildungsschwacher Eltern haben es in Deutschland besonders schwer, somit vor
allem Kinder von Ausländern. Dies zeigt die Studie "Educational
Disadvantage in Rich Nations", der UNICEF 2002 (12). Diese Jugendlichen
sind zwar bildungswillig und streben Abitur oder wenigstens die Mittlere Reife
an, nur 10% nennen den erweiterten Hauptschulabschluss als Ziel (6). Bei näherem
Hinsehen stellt sich heraus, dass die "Bildungsbeteiligung" der Ausländer
trotz erheblicher Fortschritte in den letzten 20 Jahren noch ein gutes Stück
hinter der deutscher Jugendlicher zurückbleibt. 1999 verfügten in
Nordrhein-Westfalen 35,4 % der nichtdeutschen Schüler über einen
Hauptschulabschluss, 31,6 % erreichten einen Realschulabschluss und 16,3 % die
Hochschulreife. 16,73 % erreichten keinen Schulabschluss, das sind doppelt so
viele wie bei deutschen Schülern (20).
Ohne Abschluss
Migrantinnen
und Migranten haben vielfältige Kompetenzen - doch auf dem
Ausbildungsstellenmarkt haben junge Leute ohne Migrationshintergrund nach wie
vor die größeren Chancen: Von den insgesamt 65.300 jungen Emigranten, die sich
2000/2001 bei den Arbeitsämtern um einen Ausbildungsplatz bewarben, blieben 18%
zu Beginn des Ausbildungsjahres 2001 ohne Lehrstelle (4). Nur
47% der ausländischen Berufsschüler hatte eine Lehrstelle, bei den deutschen
waren es 62 %. Von den 103.000 nichtdeutschen Abgängern von beruflichen Schulen
erreichten 35 % keinen Abschluss, bei den deutschen Berufsschülern waren es mit
16,5 % auch zu viele.
Dienstleistungsbereiche bevorzugt
Unter
den Auszubildenden ausländischer Herkunft sind 41% türkisch. Die Mädchen
fanden am häufigsten als Friseurin oder Arzt-/Zahnarzthelferin, die Jungen als
Kraftfahrzeugmechaniker oder Maler und Lackierer einen Ausbildungsplatz. Im
Bereich der Freien Berufe (Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte u.a.) ist der
Anteil ausländischer Auszubildender 9,2%, bei Arzthelferinnen 11,1% und bei
Zahnarzthelferinnen 9,9%. Insbesondere
für Mädchen bestehen also Chancen in diesen Ausbildungsbereichen (1).
Unabhängig
vom Bildungsniveau streben ausländische Jugendliche eine Ausbildung bzw. Arbeit
in der Computerbranche an, dabei zeigte sich, dass die Vorstellungen über
dieses Gebiet umso unkonkreter waren je geringer das Bildungsniveau und der
Integrationsgrad war.
Während
8% der deutschen Jugendlichen keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, sind
es bei türkischen Jugendlichen: 40%.
Teufelskreis
Die
erhöhten Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft stellen gerade für junge
Ausländer eine besondere Hürde dar. Eine große Zahl ausländischer
Jugendlicher gerät daher schon zu Beginn des Berufslebens in einen oft
demotivierenden Teufelskreis. Schlechte Schulbildung und das Fehlen einer
qualifizierten Ausbildung haben nur allzu oft eine schlecht bezahlte, sozial
niedrig angesiedelte Stelle mit hohem Arbeitsplatzrisiko zur Folge. Sie stellten
1998 ein Viertel der Arbeitslosen, von denen bezeichnenderweise 94,4 Prozent über
keine Berufsausbildung verfügten (20). Die
Arbeitslosenquote bei den jugendlichen Ausländern ist in der Regel doppelt so
hoch, wie bei den Deutschen.
Hilfsmöglichkeiten
Im
Vordergrund der meisten Hilfsmaßnahmen stehen Beratungsangebote zur
Orientierung
der
Jugendlichen. Schulische Defizite auszugleichen steht an zweiter Stelle. Maßnahmen zur beruflichen
Qualifizierung und Ausbildung von Migrantenjugendlichen landen - in der
Selbsteinschätzung der Träger - überraschenderweise auf dem letzten Platz.
Solche
Maßnahmen werden von
den Jugendlichen längst nicht immer akzeptiert. Es mangelt – zumindest
in Teilbereichen - an „Zielgruppennähe“ aber auch an „Betriebsnähe“,
d.h. an Nähe zur Wirtschaft. Es fehlen hochwertige ausbildungs- und
berufsbegleitende Maßnahmen.
Ressourcen und Vorbilder
Zu
Bereichen, in denen der
Migrationshintergrund ein Vorteil sein könnte, gehören vor allem Unternehmen
der Tourismusbranche, der Informations- und Kommunikationstechnik, der
Immobilien- und Wohnungswirtschaft, der Gastronomie sowie im Bereich Aus- und
Weiterbildung. Hier bestehen Entwicklungschancen in der Kooperation mit
Unternehmen ausländischer Inhaber (14).
Vorbildliche
Berufsbiografien, die ein Ansporn für Jugendliche sein könnten
fehlen oft unter den Mitgliedern der eigenen Ethnie. Es gilt also jene
Bestrebungen zu fördern die nachweisbar fruchten (14). Unter dem Dach der IHK
arbeitet schon seit Jahren eine Initiative, in der erfolgreiche Gesellen und
Meister ausländischer Herkunft in der Landessprache bei Eltern und potenziellen
Azubis für ihren Ausbildungsweg werben. Zusätzlich bedarf es interkultureller
Elternarbeit, um Eltern dabei zu unterstützen, ihre Kinder zu motivieren und zu
beraten.
Management der Integration
Die
Koordinierung von Integrationsangeboten und Qualifizierung von Regelangeboten
ist ein wesentliches Kriterium einer zukunftsgerichteten professionellen
Integrationsarbeit mit zugewanderten Jugendlichen. Im
Rahmen des Programms "Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen
Brennpunkten (E & C)" des BMFSFJ steht das Modellprogramm
"Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum" im
Mittelpunkt. Hier erproben vor allem Jugendgemeinschaftswerke, wie die
interkulturelle Öffnung der im Sozialraum bestehenden Einrichtungen und Dienste
für zugewanderte Jugendliche und damit die Etablierung bzw. Weiterentwicklung
interkultureller Netzwerke gefördert werden kann. Darüber hinaus geht es um
die Bedürfnisse zugewanderter Jugendlicher in der Stadtentwicklungs- und
Jugendhilfeplanung im Sinne eines umfassenden Integrationskonzepts (19)
Bachstr.
22
32756
Detmold
Quellen:
1.
Werner
R., Ausländische
Jugendliche in Deutschland - Zahlen, Statistiken, in:
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2002
2.
Keim
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dir konkret handy» , Deutsch-türkische Mischsprache und Deutsch mit ausländischem
Akzent: Wie Sprechweisen der Straße durch mediale Verarbeitung populär
werden.(redigierte Version in der F.A.Z,
Nr. 21 (26.01.2000).
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~iandrout_expired/papers/tuerkde.html
3.
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(Hrsg.): Migration - Krankheit und Gesundheit. Aspekte vom Mental Health und
Public Health in der Versorgung von Migranten. (IMIS Schriften Bd. 10), Osnabrück:
Universitätsverlag Rasch
4.
Chancengleichheit
für MigrantInnen verbessern aus
bibb vom
31.07.02
http://www.bibb.de/publikat/pm/pm02/pm310702.htm
5.
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6.
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http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw01/pdw_01_023.html
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11.
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12.
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Schwache Schüler werden in Deutschland abgehängt.http://www.unicef.de/akt/akt_141.php?news_id=860
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http://www.kfn.de/tuerkfaz1.html
14.
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15.
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17.
11. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: "Mediennutzung und
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http://www.digitale-chancen.de/content/stories/index.cfm/key.49/secid.8/secid2.64
18.
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(Hrsg.): Die Jugend von heute: Selbstanspruch, Stigma und Wirklichkeit.
Weinheim, München: Juventa Verlag 1996.
19.
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Jugendlichen mit Migrationshintergrund von Mies-van Engelshoven B. u. Seidere I.
im Arbeitsdruck" der BAG Jugendsozialarbeit (Auszüge auf
http://www.news.jugendsozialarbeit.de/021216Sozialanalyse.htm
,16.12.2002)
20.
www.hwk-duesseldorf.de/zahlen/auslaender2.htm