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Internet-Sucht / Alles Sucht?

 

Internet-Sucht, gibt es sie wirklich? Werden durch Betonung der psychischen Symptome die körperlichen Symptome in den Hintergrund gedrängt, die heutzutage bei vielen vermeintlichen Süchten (?) eigentlich nicht vorhanden sind? Führt die Verallgemeinerung der Süchte nicht zur Verwischung der Grenze zwischen Sucht und Genuss? Selbst in den Schulen werden einige Schüler, die früher Pauker genannt wurden, heutzutage neumodisch Workaholiker genannt. Warum soll die Arbeit nicht Spaß machen und wird negativ besetzt ? Ich persönlich habe den Eindruck, alles was in der Gesellschaftlich nicht erwünscht ist, soll mit Suchtbegriff verachtet werden. Eine „Medikalisierung"der Sozialen Phänomene ist für uns ein neues Phänomen (Beispiel –Wahrnehmungsstörungen oä). Ich bin mir aber nicht sicher ob diese inflationäre Verwendung vom Suchtbegriff für unsere Bemühungen um die Gesundheit der Kinder nicht eher hinderlich ist. Es entsteht möglicherweise bei den Kinder- und Jugendlichen der Eindruck „Alles was schön ist, ist entweder verboten oder gesundheitsschädlich". Ich glaube nicht , dass man damit bei den jungen Menschen gut ankommt. Die Campagne in Niedersachsen „Weniger Alkohol mehr Genuss" finde ich daher als einen guten Ansatz.

Wir müssen für solche Diagnosen diagnostische Kriterien eindeutiger festlegen. Ob der Fragebogen unten dafür hilfreich ist?

Die American Psychological Association (www.apa.org/releases/internet.html)

soll analog zur Definition der krankhaften Spielsucht nach DSM-IV folgende 10 Kriterien für die Beurteilung kreiert haben.

Sind Sie Internet-süchtig?

1.Das Internet beschäftigt mich; ich denke daran, auch wenn ich Off-line bin

2.Ich brauche immer mehr Zeit im Internet, um zufrieden zu sein

3.Ich bin unfähig, meinen Internet-Gebrauch zu kontrollieren

4.Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, meinen Internet-Konsum einzuschränken oder darauf zu verzichten

5.Das Internet ist für mich ein Weg, um vor Problemen zu fliehen oder schlechtes Befinden (Hilflosigkeits- oder Schuldgefühle, Angst, Depression) zu bessern

6.Ich lüge meiner Familie oder Freunden gegenüber, um das Ausmaß meiner Beschäftigung mit dem Internet zu verbergen

7.Ich habe schon Arbeit, Ausbildungs- oder Karrieremöglichkeiten oder zwischenmenschliche Beziehungen wegen des Internets in Gefahr gebracht

8.Ich gehe ins Netz zurück, auch wenn ich exzessive Beträge für Gebühren zahlen musste

9.Ich bekomme im Off-line-Zustand Entzugserscheinungen

10.Ich bleibe immer wieder länger Online, als ich mir vorgenommen habe

Positive Antworten für mindestens vier der Kriterien sollen auf Internet-Sucht schließen lassen.

Beispiel:

Yahoo! Schlagzeilen, Montag 11. September 2000, 15:42 Uhr

«Ich lebe nur noch in dem Chat» neue Details

von: Angela Stoll

Immer mehr Menschen verfallen dem Internet - Europaweit einzige

Ambulanz für Internet-Abhängige berichtet

Von AP-Korrespondentin Angela Stoll

München (AP) «Meine Ehe ist hin. Das weiß ich, aber es berührt mich nicht, so lange ich in den Chat kann. (...) Ich lebe nur noch in dem Chat. Außerhalb bin ich wie tot», schrieb eine Patientin der Münchner Ambulanz für Internet-Abhängige. Die Frau gehört zur wachsenden Zahl von Menschen, die der virtuellen Welt verfallen sind. Wie Alkohol- und Drogenabhängige ziehen sich Internetsüchtige zurück, verlieren Kontakte und leiden bei Entzug. Hilfe bietet die Ambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik in München, die am Montag in München neue Erkenntnisse präsentierte. Sie ist nach eigenen Angaben die einzige ihrer Art in Europa.

«Die Frau hat sich wie eine Schnecke in ihr Schneckenhaus zurückgezogen», sagt der Psychiater Oliver Seemann, der die Ambulanz zusammen mit Professor Ulrich Hegerl leitet. Die Patientin habe unter einer regelrechten Psychose gelitten. Doch sei Internet-Abhängigkeit meist keine eigenständige Krankheit, sondern Symptom einer anderen psychischen Störung: Bei einer jüngeren Studie litten ein Drittel der Betroffenen unter Depressionen und über 50 Prozent an einer Persönlichkeitsstörung.

Exakte Erkenntnisse über die Zahl der Abhängigen gibt es Hegerl zufolge n-SPARE-Q CBT bc-CHECK 00-00 00000CHECK 09-11-00 1344BSTicht. Schätzungen gehen von 300.000 Betroffenen in Deutschland und 800.000 in den USA aus. «Wir halten diese Zahlen für eher überschätzt», sagt Hegerl. Doch erwarte er, dass die Zahl der Patienten in den kommenden Jahren zunehmen werde - parallel zur steigenden Zahl der Internetnutzer.

Die Ambulanz führte von November bis März eine Online-Umfrage unter 2.341 Nutzern durch. 4,6 Prozent erfüllten die Kriterien der Internet-Abhängigkeit: Sie fühlten ein starkes Verlangen zum Internet-Gebrauch, vergaßen vor dem Bildschirm die Zeit und wurden nervös bei Entzug. Außerdem isolierten sie sich und hatten Probleme in Partnerschaft und Arbeit. Der Altersdurchschnitt der Abhängigen lag bei 28 Jahren. Die Mehrzahl waren Männer, doch sei dies kein besonderes Merkmal, da 70 Prozent der Internetnutzer männlich seien, erklärt Seemann. Unsichere Menschen besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind «Menschen mit einer großen Selbstunsicherheit», wie Seemann erklärt. Sie hätten Probleme mit anderen, bräuchten ein soziales Netz und hätten oft ein «wenig erfülltes Sex- und Liebesleben». Einer seiner Patienten habe zum Beispiel noch nie eine Freundin gehabt. Reizvoll am Internet sei für sie die Möglichkeit, anonym und risikolos Kontakte knüpfen zu können. Außerdem interessierten sie sich für Cybersex.

Aber auch die Weiten des Netzes sind für viele reizvoll. Wie Hegerl erklärt, übt die «transzendentale Erfahrung» der grenzenlosen Möglichkeiten einen Sog aus: Viele empfänden es als erhebend, mit der ganzen Welt kommunizieren zu können. Zudem reagiere das Internet auf jeden Tastendruck des Nutzers: «Er erlebt ein sofortiges Feedback», sagt der Psychiater. Aus diesen Gründen sei das Internet gefährlicher als andere Medien.

Die Behandlung von Internet-Abhängigen richtet sich nach der Art ihrer psychischen Störung, wie Hegerl erklärt. Als erste Hilfe bei einem gestörten Verhältnis zum Computer empfiehlt er, das Gerät aus dem «privaten Eck» in den «öffentlichen Bereich», zum Beispiel ins Wohnzimmer, zu stellen.


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