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 Sozialisation

 

                                       MIGRATION UND GESUNDHEIT                                             ©

     DER KINDER- UND JUGENDLICHEN IN DEUTSCHLAND              

Dr. med. Fikret Cerci, Kinder- und Jugendarzt

Vortrag am 20. Februar 2002  im Haus der Stiftung Demokratie in Saarbrücken in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Ich möchte mich dafür bedanken hier über die Gesundheit der Migrantenkinder – und Jugendlichen sprechen zu dürfen. Ich bin sehr gerne nach Saarbrücken gekommen.   

Ich habe bei der Vorbereitung meines Vortrages gemerkt , dass viele Daten, Fakten und Zahlen nicht vorhanden sind. Ich habe die vorhandenen Informationen zusammengefasst.   

Zunächst rede ich über die Wertigkeit einiger Studien über die Ethnizität, einige Zahlen, anschließend Fälle aus der Praxis, einige ausgewählte Krankheitsbilder und Definitionen einiger Begriffe. Zum Schluss einige Verbesserungsvorschläge.  Das ist ein Querschnitt durch ein großes Gebiet 

Eine der Hauptschwächen von Studien über Ethnizität  in der Medizin ist der Fehler, das Vorhandensein der subkulturellen Unterschieden innerhalb einer ethnischen Gruppe zu erkennen.  Ethnizität steht häufig stellvertretend  für eine Anzahl von soziokulturellen und sozioökonomischen Faktoren. Die Unterschiede sind gering oder verschwinden, wenn man gleiche sozialen Schichten der gleichen ethnischen Gruppen  vergleicht.  

Ich werde nicht über solche Untersuchungen  , wie  manche Vergleiche zwischen weißen und schwarzen Bevölkerung in den vereinigten Staaten sprechen, sondern versuchen die Problematik bei uns in der Praxis darzustellen. Die trockene Theorie zwischendurch lässt sich leider nicht vermeiden.

 Kultur ist ein dominierender Faktor bei der Determinierung der Ansichten und Glauben über die Gesundheit und der Entstehung des gesundheitsbezogenen Verhaltens. Krankheitsvorstellungen und die Art und Weise, mit Krankheit umzugehen, kann kulturell unterschiedlich sein. Um die Gesundheitsversorgung für alle, einschließlich für Emigrantenkinder- und Jugendliche zu optimieren muss Gesundheitsversorgung kulturell-sensibel und respektvoll erfolgen. Generalisierungen nur wegen des ethnischen Hintergrundes sind für eine gute Entscheidungsbildung in der Gesundheitsfürsorge hinderlich.

Das Themenfeld Migration und Gesundheit in den Fachverbänden der Gesundheitsberufe und der Gesundheitspolitik wurden nur zögerlich aufgegriffen.

Nach bevor fehlen in vielen bereichen epidemiologische Daten, Interkulturelle Kompetenz ist nicht in den Lehrplan der Medizinstudenten integriert.                    

Die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes von 1989  wurde in der Kinderheilkunde nur in dem Sozialpädiatriebuch von Prof. Schlack erwähnt Bei diesem Übereinkommen werden die Rechte des Kindes, u. a. Gesundheitsvorsorge, Familienzusammenführung, 41 Artikeln erwähnt.

 Man könnte sagen Amerika, Kanada, Australien und Neu Seeland sind klassische Einwanderungsländer, sie brauchen ja entsprechende Versorgung für diese Menschen , aber Deutschland ist nur ein Zuwanderungsland. Warum brauchen wir  auch in Deutschland solche Richtlinien für den medizinischen Umgang mit den Migranten. Macht Migration krank? Was ist eine interkulturelle Kompetenz. Ich werde heute versuchen in der mir zur Verfügung stehenden Zeit einiges zu diesem Thema erläutern.

 Man spricht im Moment bei uns von „Kinder und Jugendlichen mit Migrationhintergrund“ nicht von Einwanderer-Kindern. Ja, Deutschland ist ein Zuwanderungsland. Was bedeutet das in der Praxis?

Dazu einige Zahlen

 In Deutschland leben ca. 11 Millionen Migranten, (Etwa 4 Millionen Aussiedler) Der Anteil der Kinder-und Jugendlichen ist beinahe doppelt so groß wie in der üblichen Bevölkerung. Ein Drittel der Migranten  lebt länger als zwanzig Jahre in Deutschland, über die Hälfte länger als zehn Jahre. Ein Viertel ist bereits in Deutschland geboren. Man kann sagen: Die meisten Ausländer sind längst Einheimische. Von den 91 000 in Deutschland geborenen Kindern ausländischer Eltern im Jahr 2000 hatten 50 000 nur die ausländische Staatsangehörigkeit, die übrigen erhielten auch einen deutschen Pass . Ca. 430. 000 Migranten aus der Türkei besitzen die deutsche Staatangehörigkeit.  Das bedeutet. Sie sind im Sinne des Gesetzes Deutsche. 

Die demographischen Entwicklungen lassen erwarten, dass Migration auch in Deutschland keine Ausnahme , sondern Regelfall wird, zwar unabhängig von der Diskussion um „das neue Zuwanderungsrecht“. Politisierung der Ausländerproblematik vor den Bundestagswahlen aus wahlpolitischer Taktik wirkt sich bereits ungünstig für das Zusammenleben aus. Viele Eltern und Jugendliche verfolgen negative Äußerungen einiger Parteien  in den Medien und sind verärgert.  Inwieweit die Senkung das Nachzugsalter für Kinder mit der UNO-Konvention über die Rechte der Kinder  vereinbar ist werden sich sicherlich Juristen damit auseinandersetzen müssen

Wir wollen heute über die Gesundheit und Krankheiten der Kinder und Jugendlichen mit

Migrationhintergrund sprechen. Ich möchte hier weder die Unterschiede zwischen den Migranten und der einheimischen Bevölkerung betonen noch die vorhandene Unterschiede verleugnen. Vielmehr ist mein Ziel eine „balance“ zwischen beiden  herzustellen. Wer nicht diese balance herstellen kann, könnte dazu neigen Krankheiten zu exotisieren und mit  vorhandenen Vorurteilen zu denken. Diese Personen  riskieren die Übersicht  über die Auswirkungen der Krankheiten auf die Patienten zu verlieren und eine passende Empathie zu entwickeln. Personen im Gesundheitswesen die sich nur auf die Diagnose konzentrieren ohne den kulturellen Kontext zu berücksichtigen sind häufig schnell frustriert wenn ihre PatientInnen nicht den Empfehlungen folgen oder nicht Gesund werden. Diese angemessene balance kann man  durch Vermehrung des Wissens über andere Kulturen und Bewusstsein der Einflüsse der Kultur auf die Gesundheit entwickeln Dadurch würde sich die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern.

 Das ist natürlich nicht in jeden Fall so einfach, da es sich bei Migranten (oder Emmigranten) sich um eine heterogene Gruppe handelt. Also müssen wir zunächst definieren:

Wer und was sind die Migranten?

Nach UNO-Definition ist internationale Migration die ständige Ländergrenzen überschreitende Wohnsitzverlagerung von Personen. „Ständig“ bedeutet ein Aufenthalt am neuen Standort  von mindestens einem Jahr.

Unter dem Begriff „Migrant werden alle in die Bundesrepublik eingewanderten Menschen zusammengefasst, also gleichermaßen Arbeitsemigranten, Flüchtlinge und Aussiedler.

Viele  Untersuchungen zeigen   wenn auch Wege der Migration verschieden ist,    Migranten, Asylanten, Obdachlose oder andere vertriebene machen viele gemeinsame Erfahrungen. Das sind Verlust der wertvollen sozialen Bindungen, neue Sozialisationserfordernisse, wirtschaftlicher Druck , Ablehnung, Diskriminierung, Rassismus, und Ausbeutung sind einige Punkte.

Oft wird in der öffentlichen Diskussion vergessen, dass im Sinne dieser Definition auch Spätaussiedler zur Gruppe der Migranten zu rechnen sind. Die Kategorie des Zuwanderers oder Migranten darf also nicht mit dem Begriff des Ausländers verwechselt werden 

Fälle  der Medizinischen PRAXIS 

Wer von mir nur seltene Krankheiten oder exotische Krankheitsbilder erwartet der wird enttäuscht sein.  Ich werde einige Beispiele bringen, die sie gar nicht so selten in der Praxis erleben. Ich möchte das erst mal aufzählen Diskussion bitte zum Schluss. 

- Ein Kleinkind bei der U7: die Eltern fragen nach zweisprachiger Erziehung 

- Ein bionationales Paar, Vater stammt aus Nigeria.  Der Vater besteht darauf dass das Kind beschnitten werden soll. Außerdem wollen sie nach Afrika fahren, da die Großeltern unbedingt das Kind sehen wollen. Wie sollen wir beraten? Malariaprophylaxe Ja oder Nein? 

- Ein 12jähriges zierliches aus der Türkei stammendes Mädchen klagt seit über 2 Wochen über unklare Bauchschmerzen. Eine umfassende Diagnose bringt nichts; die  Bauchschmerzen sind im Fastenmonat Ramadan

 - Bei einem 13jährigen arabischen Mädchen mit einem neu diagnostizierten Diabetes Typ 1 wird die Kooperation zur medizinischen Versorgung abgelehnt mit der Begründung ein Mädchen mit einer solchen Krankheit könne ja doch niemals heiraten und sei deshalb nichts wert..

- Knapp 15jähriger Spätaussiedler, vor ca. 2 Jahren nach Deutschland eingewandert, bei der J1 erzählen die Eltern von einem unerklärlichen Leistungsknick in der Schule und von seinem sozialen Rückzug. Er guckt bei der Untersuchung weg, sichtlich motivationslos. Woran müssen wir als Jugendärzte denken?

 - Ein 14jähriges rumänisches Zigeuner- Mädchen mit Hämophilie, das beschuldigt wird in der Abteilung (Praxis) die Kaffeekasse gestohlen zu haben. 

- Ein 15jähriges somalisches Mädchen, das neu zugewandert ist, kommt mit ihren Eltern in die Praxis für ein ärztliches Attest. Die Eltern wollen sie nicht mit ihrer Klasse zu  einer Studienfahrt nach Paris fahren lassen.

Bei uns in Lippe hat sogar eine ganze Aussiedlergruppe die Teilnahme an der Klassenfahrt verweigert. Es gab viel Ärger darüber. 

/ oder ein türkisches Mädchen mit Kopftuch, die Eltern wollen ein ärztliches Attest, damit sie am Sportunterricht nicht teilnehmen muss.

Im Gegensatz dazu 

- Ein 15jahre altes moslemisches Mädchen kommt mit den Eltern und bittet um eine vertrauliche Beratung wg. Kontrazeption. 

- Ein 15jähriges türkisches Mädchen sucht Hilfe, da ihre Eltern während des Heimaturlaubes sie zur Heirat zwingen wollen. 

- Ein 16jähriges türkisches Mädchen, die Eltern sind sehr streng. Sie ist depressiv – deutet Selbstmordgedanken an, sie hat am Körper verdächtige blaue Flecken. 

- Ein vietnamesisches Schulkind kommt wegen eines Erkältungsinfektes in die Praxis.. Was haben die eigenartigen blauen Flecken am Stamm zu bedeuten?  

- Es kommt eine Bürgerkriegsflüchtlingsfamilie, die Eltern bringen ein 8 jähriges Mädchen,  extrem ängstlich. Die Eltern klagen über Schlafstörungen und Verhaltensproblemen in der Schule. Sie nässt neuerdings ein und kotet auch manchmal ein.  

oder was aktuelles,

- 13jähriger türkischer Junge, in Berlin geboren, ging in der Türkei 4 Jahre lang  zur Schule da beide Eltern in Deutschland arbeiten. Die Großeltern an der Schwarzmeerküste konnten sich um ihn besser kümmern. Wegen des bevorstehenden Gesetzes, das den Familiennachzug eingrenzen könnte, wurde er jetzt von heute auf morgen wieder nach Deutschland zurückgeholt, da sich die Eltern nicht dauerhaft von ihrem Kind trennen wollen. Der Junge hat seit Wochen unklare Kopfschmerzen. 

Ein Beispiel zur Asylproblematik, 

- Ein kurdisches Asylantenkind mit schwerem  Asthma – steht vor der Abschiebung. 

Das kann im Prinzip unendlich weiter geführt werden. Jeder von Ihnen kennt sicherlich solche Situationen.

Und das sagt uns ja dass die Problematik für uns vorhanden ist. 

Jetzt einige Bemerkungen zu einigen Krankheitsbilder in alphabetischer Reihenfolge, die für die  Praxis wichtig sind:

 

ADHS

KiGGS-Ergebnisse(Jugendgesundheitssurvey des Roberth Koch Instituts  2003-2006) =

Bei insgesamt 4,8 % der Kinder- und Jugendlichen wurde jemals ADHS diagnostiziert. Weitere 4,9 % der Teilnehmer können als Verdachtsfälle gelten.. ADHS wurde häufiger bei Teilnehmern mit niedrigem sozioökonomischem Status (SES) diagnostiziert als bei Teilnehmern mit hohem SES. Von Migranten wird seltener über eine ADHS-Diagnose berichtetet, sie sind jedoch häufiger unter den Verdachtsfällen. Diese Diskrepanz könnte auf eine Unterdiagnostizierung oder auf Inanspruchnahmeeffekte bei Migranten hinweisen.

 

In der Türkei mit einer geschätzten Rate von 5 % zuzutreffen (Mukaddes, persönl. Mittelung.).In Deutschland ist in allen Inanspruchnahmepopulationen geringere Raten an vorgestellten ADHD Kindern türkischer Herkunft finden (Schepker 2000). Es werden möglicherweise viel weniger türkische Kinder mit Ritalin behandelt als der Anteil in der Bevölkerung .

Genaue Daten zu dieser Problematik fehlen.

 

(Zusatz): Einige Parallelen sind  aus Untersuchungen in den USA bekannt:

There is some evidence that black children with ADHD are not given appropriate levels of attention compared with that received by white children.Zito and colleagueslooked at Medicaid prescription patterns in Maryland for youths aged 5-14 years. The rate of prescriptions for black children was half that of white children. The disparity was greatest for the stimulant medications, with black:white prescription ratios ranging from 1:2 to 1:2.5, depending on geographic location. There is no evidence, however, that the prevalence of ADHD is higher among white children. Bussing and colleaguesalso found that service delivery to blacks was deficient; other predictors of unmet service needs in this study included lower income and HMO coverage.

(Zito JM, Safer DJ, dosReis S, Riddle MA. Racial disparity in psychotropic medications prescribed for youths with Medicaid insurance in Maryland. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 1998;37:179-184.

 

ADIPOSITAS

Nach KiGGS ( Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert Koch Instituts v. 2003-2006) sind 15% der Kinder und Jugendlichen von 3-17 J. in Deutschland  übergewichtig.  6,3% aller 3- bis 17-Jährigen, leidet unter Adipositas.Der Anteil der Übergewichtigen steigt von 9% bei den 3- bis 6-Jährigen über 15% bei den 7- bis 10-Jährigen bis hin zu 17 % bei den 14- bis 17-Jährigen. Die Verbreitung von Adipositas beträgt bei den 3- bis 6-Jährigen 2,9 % und steigt über 6,4 % bei den 7- bis 10-Jährigen bis auf 8,5 % bei den 14- bis 17-Jährigen.. Ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas besteht bei Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus, bei Kindern mit Migrationshintergrund und bei Kindern, deren Mütter ebenfalls übergewichtig sind.

In Berlin sind Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit zu 11,3 %, mit türkischer zu 22,7 %, und die anderer

Staatsangehörigkeiten zu 15,1 % adipös. Von den Kindern mit deutscher Staatsangehörigkeit sind in Berlin-West die herkunftsdeutschen  zu 10,5 %, die übrigen (eingebürgert/anderer Herkunft)  jedoch zu 18,1 % adipös;

(Spezialbericht 2003 – 2, Zur gesundheitlichen Lage von Kindern in Berlin, Hrg. Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz)

 

The indicators of parental education were most strongly associated with children’s obesity. There was a strong dose–response relationship between a composed index of social class and obesity. Children of the lowest social status had a more than three-fold risk to be obese than children of the highest social status in the screening population (OR: 3.29, CI: 1.92–5.63). (Quelle: International Journal of Obesity (2005) 29, 373–380 / Artikel: Social class, parental education, and obesity prevalence in a study of six-year-old children in Germany

 

Reference body mass index curves for Turkish children 6 to 18 years of age - abstract

Department of Biostatistics, Erciyes University Faculty of Medicine, Kayseri, Turkey.

 

Changing dietary habits of ethnic groups in Europe and implications for health

A systematic review of the literature suggests the dietary habits of some ethnic groups living in Europe are likely to become less healthy as individuals increase consumption of processed foods that are energy dense and contain high levels of fat, sugar, and salt. Such products often replace healthy dietary components of the native diet, such as fruits, vegetables, nuts, and grains. Mixed food habits are emerging mainly amongst younger people in the second and third generations, most likely due to acculturation and adoption of a Western lifestyle. Age and immigrant generation are the major factors accounting for changes in dietary habits, whilst income, level of education, dietary laws, religion, and food beliefs are also important factors. Obesity, cardiovascular disease, diabetes, and hypertension present major problems for the mainstream European population. However, the risk of chronic disease is reported to be higher in ethnic populations, particularly South Asians, African Caribbeans, and Mexicans.

Nutrition reviews (Nutr Rev), 2008-Apr; vol 66 (issue 4) : pp 203-15

 

Ethnic differences in metabolic syndrome among overweight and obese children and adolescents: the Oslo Adiposity Intervention Study.  Acta Paediatr. 2008 Nov;97(11):1557-63. Epub 2008 Jul 24

                        

                            

 das Interview >>>

 

 

ADOPTION

Adoptiv-Eltern wird empfohlen möglichst viel über die medizinische Vorgeschichte sowie über die leiblichen Eltern zu  erfahren, da weil sie möglicherweise nach dem Adoptionsprozess wahrscheinlich keinen Zugang mehr zu diesen Informationen haben werden.

 TIP

In Kanada stellten manche Adoptiv-Eltern fest dass einige scheinbar gesunde  Kinder Folgende Probleme hatten: 

- Fetales  Alkohol-Syndrom, alkoholgeschädigte Kinder ( aus Osteuropa)

- Jodmangelstruma  (aus Zentralasien)

- Rachitis (aus Osteuropa)

- Bleivergiftung ( aus Osteuropa)

- Insektizid-Vergiftung (aus Südostasien)

- Taubheit nach kongenitaler Rötelnerkrankung (aus Mittelamerika) und

- Hepatitis B, Hepatitis C, oder HIV (aus Südostasien, Osteuropa, und Mittelamerika)

 

Das muss alles nicht unbedingt zutreffen, aber man muss an diese Möglichkeiten denken.

Deutschland hat noch nicht die Haager Adoptionskonvention von 1993-im November 1997 unterzeichnet- ratifiziert.

 

 

AIDS 

Sehr auffällig ist die Tatsache, dass der Zuwanderer Anteil an den jährlich bundesweit gemeldeten AIDS Fällen (AIDS-Insidenz stetig ansteigt.: von 12,5 in 1990 auf 14,2 1995 und 21,3% in 1998)  

 

Etwa acht Prozent der Patienten, die von der HIV Ambulanz der Universität Frankfurt betreut werden, stammen aus Afrika.

Ca. 1,200 AIDS Fälle in der TR Juni 2001(In Deutschland Ende 1999 waren 426 Türken an AIDS erkrankt)

 

Migranten sind für die Prävention häufig schwer zugänglich“, berichtet Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft e.V. (Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 33 vom 18.08.00, Seite A-2140) http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=23924

 

ALLERGIEN

 

Nach WHO-Gesundheitsstudie 2002 in Hessen sind Allergien der einzige Aspekt der sich zwischen den Kindern ausländischer Eltern und Kindern deutscher Eltern unterschiedet. Die Kinder deutscher Eltern leiden nämlich deutlich häufiger unter Allergien. Ansonsten sind die Unterschiede minimal – vor allem dann, wenn man die unterschiedliche Verteilung anderer demographischer Faktoren zwischen den Ausländern und Deutschen mit berücksichtigt.

 

ASTHMA

Prävalenz für Asthma und atopische Erkrankungen bei türkischen Kinder in Deutschland ist niedrig. (healhty migrant sydrom?) 

 

Lower prevalence of asthma and atopy in Turkish children living in Germany

 

Cultural adaptation is associated with atopy and wheezing 

among children of Turkish origin living in Germany

 

 

AUTISMUS

Underdiagnosis and Referral Bias of Autism in Ethnic Minorities

1: J Autism Dev Disord. 2008 Jul 4.

 

 

DIABETES

 

In Deutschland lebende Türken haben doppelt so häufig einen Diabetes mellitus wie der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das ist aus einer Studie der Universität Gießen hervorgegangen, die bei einer Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Bad Neuenahr vorgestellt worden ist. Die Prävalenz des Diabetes liegt im Schnitt bei 8,2 Prozent. Bei den in der Studie untersuchten 1067 Türken und türkisch-deutschen Migranten lag der Anteil bei 14,9 Prozent. Durch die Studie wurde bei 3,7 Prozent ein Diabetes entdeckt. 

 

600 000 Migranten mit Diabetes medizinisch unterversorgt

Deutsches Ärzteblatt, Vermischtes, 10 Juni 2003

 

AG Diabetes und Migranten in der DDG e.V.

 

Das Vorkommen von Typ 2 Diabetes wird durch ethnische und sozioökonomische Faktoren beinflußt (Winkelby al., in: JAMA 1999;281:1006-1013). Repräsentative Daten hierzu liegen für Deutschland nicht vor.

 

 

DROGEN

Die Drogenhilfeeinrichtungen geben den Prozentsatz der Ausländer unter den Konsumenten illegaler Drogen mit 10-15% an(8).Wegen der Angst vor ausländerrechtlichen Konsequenzen ist der Dunkelziffer bei Ausländer besonders hoch zu schätzen. Für einzelne Städte liegen für den Anteil von Konsumenten nicht-deutscher Herkunft Schätzungen vor: Frankfurt 37% (Philippi 1996), Essen: 21% (Goldmann 1996), Nürnberg: 16,8% (Yildiz 1998) (19). In Hannover wo dieser Anteil 20% aber der Bevölkerungsanteil nur 10 % beträgt, sind besonders zwei Migrantengruppen betroffen; Migranten aus der Türkei und russischsprachige Menschen aus Osteuropa, zumeist Aussiedler(4). Die Zahl der Todesfälle jugendlicher Aussiedler infolge von Drogenkonsum hat von 36 im Jahr 1999 auf 162 im Jahr 2000 auf das vierfache zugenommen. In Bayern waren bis Oktober 2001 knapp 12 % der Drogentoten russischsprachige Migranten.. Der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe beträgt lediglich etwa drei Prozent(BAS.).

 

Migranten: Erfolge bei spezialisiertem Angebot , Voit, Jörg; Kaya-Heinlein, Dogan

Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 19 vom 12.05.00, Seite A-1256

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=22902

 

Suchtproblematik bei jugendlichen MigrantInnen >>>

 

Abhängigkeit und Sucht bei Migranten -ein Kapitel für sich >>>

 

GASTRO-INTESTINALE BESCHWERDEN

 

Helicobakter-Infektion:

Seit 1996 wurden im Raum Ulm mehrere epidemiologische Studien bei Kindern und teilweise deren Eltern durchgeführt, um Prävalenz, Übertragung und Auswirkungen der Infektion mit Helicobacter pylori zu untersuchen. Insgesamt zeigte sich bei den Vorschulkindern eine erhebliche Variation in der Prävalenz zwischen deutschen Kindern (6 Prozent), türkischen Kindern (44 Prozent) und Kindern anderer Nationalität (24 Prozent).

Deutsches Ärzteblatt 98, Ausgabe 15 vom 13.04.2001, Seite A-986

 

GEWALT

Am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen haben wir diese Fragen auf verschiedene Weise untersucht. Ein Weg war beispielsweise der, in den westdeutschen Jugendstrafanstalten die ethnische Zusammensetzung der jungen Gefangenen zu ermitteln. Ende Mai 1998 betrug danach der Anteil der jungen Türken 15 % und lag damit fast dreimal so hoch wie ihr Bevölkerungsanteil in der entsprechenden Altersgruppe. Für alle anderen Ausländer ergab sich eine Gefangenenquote von 25 % gegenüber 12 % in der Bevölkerung. Auch junge Spätaussiedler waren im Jugendstrafvollzug mit 10 % um etwa das Doppelte überrepräsentiert. Die einheimischen Deutschen dagegen stellten im Mai 1998 nur noch jeden zweiten Gefangenen bei einem Bevölkerungsanteil in der Altersgruppe von 78 %.

ENURESIS

den ersten deutschen Untersuchungen, die Hinweise auf eine Häufung von Enuresis bei türkischen Kindern geben, gehören die von Steinhausen 1982) und Holstein (1984) an ,,Gastarbeiterkindern“ durchgeführten. Beide Studien trennen jedoch nicht zwischen verschiedenen Ethnien und Altersgruppen (0-18 Jahre) und sind daher nicht sehr aussagekräftig. Die von ihnen gefundene Häufigkeit des Einnässens liegt bei ca. 20 %.

In der epidemiologischen Studie von Poustka (1984) über psychiatrische Störungen bei 13- und l4jährigen Kindern ausländischer Arbeitnehmer wurde eine ,,fünffach" erhöhte Rate nächtlichen Einnässens (7,6 %) bei türkischen gegenüber deutschen und italienischen Kindern festgestellt. Steinhausen et al. (1990) verglichen in ihrer Studie die Raten psychiatrischer Auffälligkeiten bei griechischen, türkischen, französischen und deutschen Kindern in Berlin und fanden bei Türken eine Prävalenz von 15,7 % für Enuresis (leider ohne Spezifizierung, ob es sich um Enuresis nocturna, diurna, primäre oder sekundäre Enuresis handelt) im Vergleich zu 2 % bei deutschen und französischen und 5,6 % bei griechischen Kindern. Eine Analyse der hohen Prävalenz von Enuresis habe eine ungewöhnlich hohe Rate von Enuresis bei Geschwistern, Eltern oder anderen Verwandten ergeben.

HÖREN

Epidemiology of hereditary hearing disorders in childhood: a retrospective study in Germany 

with special regard to ethnic factors

abstract aus : Scand Audiol. 2000;29(1):3-9

 

Wandel bei den Ursachen kindlicher Hörstörungen

Universität Köln, Presse-Information 85/1997

 

Bei schwerhörigen Kindern nachhaken, Blutsverwandte Eltern schlagen aufs Ohr  

Medical Tribune Bericht, MTD, Ausgabe 29 / 2002 S.24, VS  


HEPATITIS B - in der Türkei über 5 Millionen Träger

 

IMPFUNGEN

 Der Durchimpfungsgrad der Migranten ist besser als angenommen. Grosse Probleme gibt es allerdings der neuen Asylanten, sog. Illegalen (schlecht DT geimpft, bzw. kein Impfpass). Bei Spätaussiedlern Röteln-Schutz nur 50% (NRW)

 

INTOXIKATION

Migranten: Quecksilber-Intoxikation, http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=28591

Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 37 vom 14.09.01, Seite A-2305

 

KARIES 

 

Im Vergleich zu den deutschen Kindernist eine dramatische Überhöhung der Kariesprävalenz belegt. Van Steenkiste kam bei 12-Jährigen im Rems-Murr-Kreis zu einer Überhöhung von 71% gegenüber deutschen Kindern. Robke(1995) wies in seinen Arbeiten zur stadtteilorientierten Oralprophylaxe nach, dass in den sozialen Brennpunkten Migranten erreicht werden können, die eine um 68% überhöhte Karieshäufigkeit aufwiesen.

 

Besonders defizitär stellt sich die Inanspruchnahme von zahnärztlichen Leistungen bei Migranten dar: bei mehr als jedem zehnten Migrantenkind (12,2%) lag der Zahnarztbesuch mehr als ein Jahr zurück.

(Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Nordrheinwestfalen, Landesgesundheitsbericht 2002)

 

MALARIA

Prophylaxe , bei Reisen ins Heimatland

MISBILDUNGEN

 Ein großes Problem ist innerfamiliäre Heirat, meist zwischen Cousin und Cousinen. 

Allgemein für alle Elternpaare besteht – über ein spezifisches Risiko hinaus – ein „Basisrisiko“ von ca. 5% für angeborene Krankheiten und Fehlbildungen bei Nachkommen. Bei den Nachkommen von Ihnen (Vetter und Cousine I. Grades) erhöht sich dieses Risiko auf ca. 8% durch das häufigere Auftreten von autosomal-rezessiv vererbten und polygen bzw. multifaktoriell bedingten Erkrankungen.MHH, Institut für Humangenetik, ein Patientenbericht vom4.5.2001))  

PERINATAL (Holland)

 

The death rate of Turkish and Moroccan children was twice as high as that of native Dutch children.

Aus Deutschland habe in keine Zahlen.

PHENYKETONURIE in der Türkei häufig, in Deutschland unter türkischen Migranten habe ich seit meiner Niederlassung vor 20 Jahren nicht feststellen können. 

Nach einer Veröffentlichung der Abteilung für Mutter- , Kind- und Familienplanung  des Gesundheitsministeriums in der Türkei vom 5. 12. 1997 tritt die Phenylketonurie in der Türkei 1 mal bei 3000 bis 4500 Neugeborenen auf. Demnach wird behauptet ,dass die Türkei leider das Land ist, wo diese angeborene Erkrankung am häufigsten auftaucht. Das hat natürlich eine besondere Brisanz in der Türkei, in der eine Heirat unter Verwandten, vorwiegend unter Cousin und Cousine, immer noch sehr häufig ist und jede 20. bis 25. Person diese Krankheit tragen soll. Jedes Jahr werden 400 bis 500 Kinder mit dieser Krankheit geboren. Die Häufigkeit in den USA und einigen anderen europäischen Ländern wird als 1x  pro 10.000-30.000 angegeben. 

Arbeitsemigranten de 1. Generation waren ausgewählte gesunde Menschen, deswegen?

 

RITUELLE BESCHNEIDUNG

 

Die weibliche Beschneidung als medizinisches Problem

 

Rituelle Beschneidung. Bedeutung und Probleme in der Praxis.

Beschneidung: Rituelle Verstümmelung - auch in Deutschland sind Mädchen gefährdet

Dessauer, Renate; Hauenstein, Elisabeth; Müller, Christa

Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 23 vom 07.06.96, Seite A-1526

 

Weibliche Genitalverstümmelung: Keine Kultur, sondern Folter, Korzilius, Heike

Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 12 vom 23.03.01, Seite A-734

 

SPRACHE UND PSYCHIATRISCHE ERKRANKUNGEN

Die Studie konnte zeigen, dass Deutschkenntnisse mit Verlaufsvariablen psychiatrischer Erkrankungen bei Migrantinnen und Migranten korrelieren.: In der untersuchten Stichprobe erkrankten Aussiedler mit schlechten Deutschkenntnissen nach der Migration früher, wurden nach kürzerem Krankheitsverlauf in das psychiatrische Krankenhaus aufgenommen und hatten in der Regel längere stationäre Behandlungszeiten. Dieses könnte wiederum dafür sprechen, dass schlechte Deutschkenntnisse sich für die Bewältigung der Anforderungen, die aus der Migration erwachsen, ungünstig auswirken und damit indirekt das Auftreten oder die Exazerbation psychischer Störungen begünstigen. Hinzu kommt, dass ein geringes sprachliches Ausdrucksvermögen Kommunikationsprobleme zur Folge hat, dadurch Schweregrad der psychiatrischer Erkrankung möglicherweise überschätzen lässt und so eher zur Indikationsstellung für eine stationäre Behandlung führt. Anhaltspunkte gibt’s auch dafür, dass eingeschränkte sprachliche Kommunikationsfähigkeit in der neuen Umgebung die Möglichkeit, soziale Unterstützung zu organisieren , vermindert. Vermutlich gelingt es Aussiedlern mit schlechten Deutschkenntnissen auch kaum, ambulante und komplementäre Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten bei niedergelassenen Nervenärzten, Beratungsstellen etc. in Anspruch zu nehmen. All dies führt erwartungsgemäß zu einer erhöhten Rate stationärer Behandlungsepisoden.Stationäre  Behandlungszeiten sind – im Rahmen der formulierten Hypothesen plausibel- für Aussiedler mit schlechten Deutschkenntnissen signifikant länger  Mit 47 Tagen sind sie gegenüber der Kontrollgruppe etwa doppelt so lang.

 

POSTRAUMATISCHES PSYCHOSYNDROM

 

Flüchtlingskinder brauchen psychologische Betreuung wenn

 - chronische Angstzustände 

 - Depressive Verstimmung 

 - anhängliches und  übermäßig abhängiges Verhalten; 

 - Schlafstörungen oder Albträume;

 - schmerzliche,  wiederkehrende Erinnerungen von Geschehnissen

 - Rückbildung in der sozialen Entwicklung (z.B., Sprechen,  Toilettetraining);

 - verminderte Schuleleistung;

 -Verhaltensprobleme (z.B., Schule Schwänzen oder von  zu Hause weglaufen );

 -Wiederholte Zeichnungen von einem Thema (meist in den dunklen Farben) oder wiederholt .(häufig Gewalt ) Spiele

VORSICHT: Diese Befunde dürfen nicht als Isolation missgedeutet werden. Die psychologische Beurteilung muss den Kontext, die Hintergrundinformation berücksichtigen und kulturell-sensibel sein.

Die Betreuerinnen leiden unter “stellvertretender Traumatisierung” , in der Literatur auch als “vicarious traumatisation” bekannt (Lansen 1993; Straker 1993).

 

PSYCHOSOMATISCHE BESCHWERDEN

 

Besondere Anpassungsprobleme ergeben sich auch für die Jugendlichen aus den Ländern der GUS. Sie fühlen sich häufig ausgeschlossen und haben - aufgrund von Sprachproblemen - offenbar erhebliche schulische Probleme und Probleme darin, sich in der neuen Heimat zu orientieren. Die geringe Selbsteinschätzung ihre schulischen Leistungen sind ein deutliches Indiz dafür. Ebenso haben sie offenbar Probleme sich unter Gleichaltrigen zu behaupten. Sie schätzen ihren Gesundheitszustand besonders häufig als schlecht ein und sind unzufrieden mit ihrem Körper.

Jugendliche aus Migrantenfamilien zum Teil erheblich häufiger unter körperlichen Beschwerden leiden als deutsche Jugendliche. So sind Magenschmerzen bei Jungen aus der Türkei und aus den arabischen Ländern etwa doppelt so häufig anzutreffen. Auch die Jungen aus der GUS sind signifikant häufiger von Magenschmerzen betroffen. Dagegen berichteten Jungen aus den Balkanländern nur zu sehr geringen Teilen von Magenproblemen

Bei den Mädchen ergibt sich im Vergleich zu den deutschen Jugendlichen ein anderes Bild: Mit Ausnahme der Mädchen aus dem arabischen Raum und der EU gaben alle Migrantengruppen statistisch signifikant häufiger Magenschmerzen an. Besonders häufig zeigten sich türkische Mädchen mit fast 40 % und Mädchen aus der GUS, den Balkanländern und Osteuropa mit etwa 30 % betroffen.

Während osteuropäische Mädchen signifikant seltener von Kopfschmerzen betroffen sind und Mädchen aus Deutschland und den EU Ländern mit knapp 30% etwa gleich häufig hierunter leiden, fallen bei den anderen Nationalitätengruppen z. T. drastisch gesteigerte Raten auf. So gaben knapp 60 % der Mädchen aus der GUS das Auftreten regelmäßiger Kopfschmerzen an. Etwas mehr als 45 % der türkischen Mädchen und etwa 40% der Mädchen aus den arabischen Ländern und dem Balkan machten diese Angabe.

 

(Settertobulte) Survey aus dem Jahr 1998, der an der Universität Bielefeld als deutsche Teilstudie der internationalen  WHO-Studie ‘Health Behavior in School-aged Children’ (HBSC) durchgeführt wurde. Es handelt sich um eine Repräsentativbefragung von Schulklassen des fünften, siebten und neunten Jahrgangs aus allen vier vorherrschenden Schultypen. Insgesamt wurden 6801 Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren in Nordrhein-Westfalen befragt

 

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Eine längsschnittliche Studie ergab dass das Wohlbefinden der über 200 Aussiedler im Alter zwischen 10 und 16 war kurz nach der Einreise schlecht, um sich dann allmählich zu verbessern. Nach etwa zwei Jahren bestanden sowohl zu einer Vergleichsgruppe in Polen verbliebener Deutscher wie auch zu Einheimischen keine Unterschiede mehr (Schmitt-Rodermund, Silbereisen & Wiesner, 1996).

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eine epidemiologischen Untersuchung  in Stuttgart

 

nach folgender Untersuchung allerdings:

MigrantInnen nennen nicht mehr psychosomatische Stressbeschwerden 

als deutsche BerufsschülerInnen

Dill H., Höfer R., Keupp H., Jugendgesundheit zwischen den Kulturen – eine Befragung an Münchner Berufsschulen, Institut für Praxisforschung und Projektberatung IPP,München, 1999

 

SCHWANGERSCHAFT

einige beachtenswerte Probleme:

- Nicht-deutsche Schwangere nehmen Vorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch>>>

   

- Hyperemesis gravidarum: Auswertung aller stationären Behandlungsfälle von schwerem Schwangerschaftserbrechen  des Virchow-Klinikums in Berlin  zeigte, dass der Anteil von - zumeist türkischstämmigen, libanesischen oder ex-jugoslawischen - Migrantinnen mit 75 % im Verhältnis zur altersstandardisierten Wohnbevölkerung (ca.17 %) überproportional hoch war - oft sind die betroffenen wenig akkulturierte bzw. gerade eingewanderte ­Frauen - (David et al. 2002).

- Niedrige Röteln-Titer bei Aussiedler  --> (Gesundheitsbericht NRW (Gesundheit von Zuwanderern in Nordrhein-Westfalen, August 2000, S. 80) Die Raten für deutsche Kinder und Kinder von Zuwanderern liegen bei 88.0% (Deutsche) und 86.1%( Zuwanderer .in D. geb.) bzw. 73%(Aussiedler). Zahlen für Röteln= Deutsche J. 74.4% –M. 77.4%), Zuwanderer in D. geb. J. 73.9% u. M. 79.5%, Zuwanderer im Heimat geb. J. 63.9% u. M. 62.7% , Aussiedler J. 48.4 u. M. 54.4%, Also ein vollständiger Impfschutz gegen Röteln liegt bei Aussiedlern seltener vor.

 

- Verwandtenehen sind häufig >>>

 

SUIZID

Konflikte die türkischen Mädchen Erleben , wenn sie –eingebunden  in eine rigide Familientradition – in einem Land leben und aufwachsen , in dem Mädchen ihres Alters  ganz andere Rechte und Freiheiten  eingeräumt werden sind sehr groß. Es sind viele mohammedanische Mädchen die innerlich aufbegehren und den ihnen aufgezwungenen Lebensstil ablehnen und davon träumen wie andere deutsche Mädchen aufzuwachsen. Viele dieser Mädchen fügen sich nur äußerlich und versuchen die vielen Verbote umzugehen.

Der Anteil der depressiven gar präsuizidalen Mädchen dürfte hoch sein, aber leider fehlen hier auch dringend notwendige Daten.

Zahlen aus England

Insbesondere Junge Frauen vom indischen Subkontinent aber besteht eine deutlich, fast 3fach erhöhte Selbstmordgefahr. Die genauen Gründe hierfür bedürfen noch weiterer Forschung (Prosser 1996).

Erhöhtes Suizidrisiko von Migranten (Schweden)

in Deutschland?  

 

 

THALASSÄMIE Bei Migranten aus den Mittelmeerländer häufig, sehr viele Träger,

bei der Familienplanung muss darauf geachtet werden.

 

Beta-thalassemia problems in the Turkish population in the F.R.G.

Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 1990 Jan-Feb;34(1-2):137-47.

 

TUBERKULOSE   

 

Nach Robert Koch-Institut (RKI): Daten für 2003

 

Wie in den Vorjahren zeigte die Analyse nach Staatsangehörigkeit deutliche Unterschiede: So betrug die Inzidenz der ausländischen Staatsbürger 31,2 pro 100.000 Einwohner und war damit 5-mal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung (Inzidenz 6,2). Im Kindesalter und bei jungen Erwachsenen sind diese Unterschiede besonders deutlich ausgeprägt, so war hier die Inzidenz bei ausländischer Staatsangehörigkeit bis zu 16-mal so hoch. 

Die Analyse nach Geburtsland ergab, dass 56,0% der Patienten in Deutschland und 44,0% im Ausland – vorwiegend in osteuropäischen Ländern – geboren waren. Mit Blick auf die entsprechenden Angaben zur Staatsangehörigkeit (s. o.) wird deutlich, dass durch die alleinige Erfassung der Staatsangehörigkeit der Anteil von Migranten nach wie vor unterschätzt wird.

 

 

xxx - Jährlicher Tb-Test für Kinder von Migranten (Besonders nach Aufenthalten im Heimatland sinnvoll.)

 

 

Problem: Resistenzentwicklung

Quelle: Epidemiologisches Bulletin, 12.April 2002/Nr.15

                            

                             Resistenz gegen mindestens (%)                                      Multiresistenz      Polyresistenz      

Nachweis        N       INH         RMP         SM           EMB          PZA          INH+RMP          Polyresistenz

 

alle                  34   13 (38 %) 10 (29 %) 11 (32%)  6 (18 %)   4 (12 %)        10 (29 %)            11 (32 %)

 

davon

 

Mikroskopie.  18    8 (44 %)6 (33 %)6 (33 %)4 (22 %)4 (22 %)                    6 (33 %)              7 (39 %)

pos

 

Multiresistenz:resistent gegen mindestens INH +RMPM;Polyresistenz:resistent gegen mindestens 2 der Medikamente der ersten Wahl

Tabelle:Ergebnisse der Resistenztestung kulturell positiver Isolate im Rahmen des Tuberkulose-Screenings bei Spätaussiedlern im GDL Friedland, August –Dezember 2001 und Januar –Februar 2002

 

 

The Lancet-Artikel 17.04.09: Resistente Tubekulose-Erreger in ehemaligen Sowjetstaaten und China

Quelle:  A. Wright and others. Epidemiology of antituberculosis drug resistance 2002–07: an updated analysis of the Global Project on Anti-Tuberculosis Drug Resistance Surveillance. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60331-7

 

 

TUMOREN  

Die Insidenz der non-Hodgkin-Lymphome scheint bei jungen Immigranten (aus der Türkei/ ehem. Jugoslawien)

erhöht zu sein.

 

Daten aus Deutschland:

Cancer patterns among children of Turkish descent in Germany: A study at the German Childhood Cancer Registry, BMC Public Health 2008, 8:152

Data on lymphoma and nasopharyngeal cancer could tentatively be interpreted as supportive of a higher proportion of cancers associated with the Epstein-Barr virus in children with a Turkish name.

 

Transition in cancer patterns among Turks residing in Germany.  in: Eur J Cancer. 2002 Mar;38(5):705-11.
Zeeb H, Razum O, Blettner M, Stegmaier C.,                 
School of Public Health, Department of Epidemiology and Medical Statistics, University of Bielefeld, 
Turks had an increased proportional incidence ratio for non-Hodgkin's lymphoma. Our findings partly support a transition of cancer patterns among Turks in Germany.

Daten aus der Türkei

Hodgkin's disease in Turkish children: clinical characteristics ans treatment results of 210 patients

Buyukpamukcu M, et al.,Department of Pediatric Oncology, Hacettepe University Faculty of Medicine, 

Ankara, Turkey : 

 The prevalence of Hodgkin's disease in young children is higher and the distribution of histologic subtypes is also different from many Western countries. 

 

Daten aus Schweden

Cancer risks in childhood and adolescence among the offspring of immigrants to Sweden.
Hemminki K, Li X. , Department of Biosciences at Novum, Karolinska Institute, 141 57 Huddinge, Sweden, 2002 Cancer Research UK - abstract:
We used the nation-wide Swedish Family-Cancer Database to analyse the risk of nervous system tumours, leukaemia and non-Hodgkin's lymphoma in age groups 0-4 and 0-19 years among Swedish-born offspring of immigrants. The study included 850 000 individuals with an immigrant background, including European, Asian and American parents. We calculated standardised incidence ratios for the above three malignancies using Swedish offspring as a reference. Subjects were grouped by region or by selected countries of parental origin. No group differed significantly from Swedes in the occurrence of nervous system neoplasm or leukaemia. Offspring of Yugoslav fathers (SIR 2.27) and Turkish parents were at increased risk of non-Hodgkin's lymphoma. The highest risk was noted for non-Hodgkin's lymphoma among young offspring (0-4 years) of two Turkish parents (6.87). The currently available limited data on rates for childhood non-Hodgkin's lymphoma in these countries do not explain the risk in the offspring of immigrants. Yugoslavs and Turks are recent immigrant groups to Sweden, and their offspring have been subject to much population mixing, perhaps leading to recurring infections and immunological stimulation, which may contribute to their excess of lymphomas.  

UNFÄLLE

 Berücksichtigung der Lebenswelten bei Unfallprophylaxe (Verbrühung mit Teewasser) muss bei der Vorsorge erwähnt werden) 

Bei Unfällen mit  Radfahrer und Fußgänger weisen die Deutschen bei den unter 6-Jährigen eine deutlich niedrigere Quote auf als v.a. die Zuwanderer aus der Türkei (26,3 %) und dem ehemaligen Jugoslawien (15,8%) , NRW

 

Kopftuchnadelaspiration (abstract engl.), 

Quelle:Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 1999 May 5;48(2):131-5.

Turban pin aspiration; a potential risk for young Islamic girls.

 

UROLITHIASIS (Harnsteine) 

 

Urolithiasis bei Kinder- und Jugendlichen in der Türkei ist häufiger als bei deutschen Kindern

Etiological and clinical patterns of urolithiasis in Turkish children

 

VERWANDTENEHEN

                          

Handlungsbedarf bei Verwandtenehen!

Miteinander verwandte Eltern vererben doppeltes Gesundheitsrisiko. Studien belegen eine höhere Zahl von Totgeburten und Behinderungen.Es gibt sehr viele genetisch bedingte Krankheiten deren Häufigkeit durch Verwandtenehen steigt.

Eine Warnung vor den Gesundheitsgefahren und die Aufklärung der betroffenen Migranten in Deutschland ist dringend notwendig. Präventive Maßnahmen wie Wartezimmerplakate in Arztpraxen oder Krankenhäusern in entspr. Sprachen (beispielsweise in türkisch) die auf diese Gefahren hinweisen können hilfreich sein. Auch in den Schulen sollten Migrantenjugendliche auf die Gefahren der Verwandten-Ehen hingewiesen werden.  

 

Übersichtsartikel>>>

 

Macht Migration Krank?

Wenn wir vielzitierte Gesundheitsdefinition der WHO  von 1946 nehmen, so ist Gesundheit „ein Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“. Dieser Definition zufolge sind dann gewiss alle Flüchtlinge Vertriebenen und Asylsuchenden nicht gesund und können es nicht sein, auch wenn die körperliche Untersuchung durch den Arzt ein Normalbild zeigt. 

Voraussetzungen für die Gesundheit

 (ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden) 

- Grundlegende Bedingungen und konstituierende Momente von Gesundheit sind Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, ein stabiles Öko-System, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Jede Verbesserung des Gesundheitszustandes ist zwangsläufig fest an diese Grundvoraussetzungen gebunden. 

Laut Ottawa Charta (November 1986)der WHO gelten Migranten als „verletzliche Gruppe“, denen eine besondere Priorität in Public Health-Strategien einzuräumen ist,

 Es sind (gesundheitspolitische-) Konzepte auf allen Ebenen zu entwickeln, die zum Ziel die Integration der Zuwanderer haben und die an die spezielle Bedürfnissee der Migrantinnen und Migranten anzupassen sind.

 

Psychosoziale Faktoren

 

Risikofaktoren vor der Emigration für Anpassungsprobleme

 

- Asylantenstatus, Illegale Flüchtlinge

- Alter der Kinder über 11 J.

- Große kulturelle Differenzen zwischen der Herkunftsland  und Deutschland

- Geringe Deutschkenntnisse oder die Sprache nicht fließen sprechen können

- Niedriger Soziaökonomischer Status.

- Körperliche oder Entwicklungsbehinderungen

- Vorausgegangener Trauma, Vergewaltigung, Überfall, Mordszenen,(die die Kinder – und Jugendlichen gesehen und  erlebt haben)

- Familiärer Stress, Tod eines Elternteiles oder Geschwisterkindes, Zustände während der Entscheidungsphase zur Migration, Verlust sozialer Hilfsmöglichkeiten.

 

Risikofaktoren  nach der Emigration die eine Risiko für  Anpassungsprobleme darstellen

 

- Gewöhnliche kulturelle Anpassung;

- Isolation vom Kinde und Eltern oder Pflegepersonen

- Das Fehlen der stützenden lokalen kulturellen Möglichkeiten

- Sprachbarrieren

- Rassische oder sexuelle Diskriminierung, beides familiär und sozial

- Post-traumatischer Stresssyndrom beim Kind und Eltern

- In den überfüllten Unterkünften infrafamiliäre Konflikte

- Verschiebung der traditionellen Autorität  in der Familie

- Unterschiedliche Anpassung an die neue Kultur innerhalb der Familie

- Faktoren im Migrationprozess - Ressourcenkatalog

·          - Balance kultureller Unterschiede

·          - Orientierung im fremden sozialen Raum

·          - Zwei- und Mehrsprachigkeit

·          - Zurechtfinden in anderen Schriftbildern

·          - Familiäre Beziehungen auf große Distanz gestalten

·          -  Persönliche und kulturelle Identität wahren

·         -  Veränderungen gestalten

·         - Entwicklung einer Alltagskultur zwischen den Kulturen

·         - Individuelle Lösungsmuster bei Trennungen

·         - Diskriminierende Bedrohungen aushalten und den familiären und persönlichen Umgang damit gestalten

·         -Mut und Risikobereitschaft in der Wanderungsentscheidung

         - Auseinandersetzungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit

 

Faktoren im Langzeittrauma

 Defizitkatalog 

·        - Abschied und Trennung

·        - Trauerprozesse und Heimweh

·        - Verwandtschaftliche Beziehungen auf große räumliche Distanz

·       - Familienzusammenführung oder zerrissene Familienverbände

·        - Aufenthaltsorte, Pendeln, Rückkehrwunsch und Rückkehrillusion

·        - Kommunikationsmöglichkeiten und Sprache

·        - Kulturelle und religiöse Bedeutungen

·        Isolation und Einsamkeitsgefühle

·        - Minderheitenerfahrungen und Fremdheitsgefühle

·        - Identitätsentwicklung und Sicherung

·        - Aufenthaltsrechtliche Bestimmungen

·        - Benachteiligung und gesellschaftliche Diskriminierung

·        - Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

·        - Wirtschaftliche Lage 

 

Ich möchte jetzt einige Begriffe erläutern , die für den Umgang mit den Kindern- und Jugendliche und deren Eltern wichtig sind.

Akkulturation

     Akkulturation:  die gegenseitige oder auch einseitige Angleichung von Kulturen verschiedener Herkunft aneinander auf Grund enger Berührung (Kulturkontakte)- Wahrig

     Akkulturation bezieht sich auf langfristige Folgen des Kontaktes zwischen der Kulturen. (, Kulturkonflikt Wegfall der sozialen Kontrolle,  soziokulturelle Variablen beachten. 

- Indikatoren von Akkulturationsstress umfassen, Einsamkeit, soziale Isolation , Trennung oder Verlust Familien,  Verlust der traditionellen Sozialen Rollen und/oder der Beschäftigungsstatus und Pessimismus oder Angst  bezüglich zukünftiger ökonomischen Chancen(Gelegenheit) 

Indikatoren der Assimilation Die Länge des Aufenthaltes im Gastland, und Grad der des Kontaktes zur Kultur des Gastlandes   

Migration Stress meist als Kulturschock identifiziert = kurzfristige psychologische Folgen bei Aussetzung zu einer unbekannten Umgebung. (empirisch nicht nachgewiesen!)

Es gibt aber andere Migrationstresse: Trennung von der Familie und sozialer Umgebung, Einsamkeit, Probleme mit der Anpassung, Arbeit und Nahrungsmitteländerung. (ev. durch Ehefrauen, Familien andere Situationen).

Je länger der Aufenthalt spielt umso weniger der Migrationsprozeß eine Rolle. 

Marginasilierung (schlechte Schulbildung, Sprache, Wohnraum, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit): Marginalisierung als Ursache für abweichendes Verhalten wird in 3 Dimensionen diskutiert, sie resultiert aus: a./ den objektiven Lebensbedingungen der Kinder- und Jugendlichen ausländischer Herkunft; b./ den formen der Benachtheiligung und Diskriminierung und der Antizipation von Diskriminierung und Chancenlosigkeit durch den Jugendlichen selbst 

Bei illegaler Immigration oder irregulärem Aufenthalt, verbunden mit Unsicherheit und polizeilicher Verfolgung, kommt es häufig zu ängstlichem und misstrauischem Verhalten, das zur sozialen Isolation führen kann (IMIS) 

Zunächst der Begriff: interkulturelle Kompetenz, Was bedeutet interkulturelle Kompetenz? warum ist sie wichtig

 

Akkulturation: Entwicklung unter Migrationsbedingungen  (pdf-datei)

 

 

INTERKULTURELLE KOMPETENZ

Kultur kann als Summe gemeinsamer Sichtweisen einer Gruppe oder Gesellschaft zu den unterschiedlichen Bereichen des Lebens in Abhängigkeit von den Lebenswirklichkeiten der betroffenen Menschen angesehen werden(Falikov 1995).

Kommunikation beinhaltet grundsätzlich auch das Risiko des Nichtverstehens, des Missver­stehens und der Fehlkommunikation (Rehbein 1985).

In der interkulturellen Begegnung, so die An­nahme in Untersuchungen zur interkulturellen Kommunikation (Rehbein 1985), können Verständigungsprobleme ein noch größeres Ausmaß annehmen. Fehlkommunikation in der interkulturellen Be­gegnung ist aber keine Selbstverständlichkeit. Wie Streek (1985) gezeigt hat, können kultu­relle Differenzen irrelevant werden, soweit sich die Beteiligten in der Interaktion über an­dere Gemeinsamkeiten definieren.

 Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, angemessen und erfolgreich in einer fremdkulturellen Umgebung oder Angehörigen anderer Kulturen zu kommunizieren(Hinz-Rommel 1996:20)

Interkulturelle Kompetenz und interkulturelles Handeln beinhalten die Fähigkeit, Haltungen gegenüber Menschen anderer kultureller Herkunft zu bevorzugen, die kulturell eher von Anteilnahme, Neugier und Interesse geprägt sind. Auf abgrenzende oder distanzierte Haltungen wird eher verzichtet. Voraussetzung hierbei ist die Selbstreflexion über eigene Haltungen und soziokulturell geprägte Vorstellungen. Umgekehrt sind auch Kenntnisse soziokultureller und migrationspezifischer Hintergründe über Basis interkulturellen Handelns wichtig.. Interkulturell versiert Handelnde vermeiden negative Bewertungen von Unterschieden, haben Respekt von anderen Auffassungen, sind sich über den eigenen kulturellen Hintergrund bewusst und beziehen sprachlich und kulturell versierte Mitarbeiter und Mittler in ihre Arbeit ein

zur Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz sind folgende 3 Punkte wichtig. 

1- Eigene Kulturgebundenheit reflektieren  

2- Wissen über andere Kulturen erhöhen

3- Kulturelles Wissen nicht sterotypisieren

eine Überbetonung des Unterschiedes Wenn Unterschiede im Verhalten, Wertmaßstäben und Moral zwischen zwei Kulturen als groß angesehen wird, wird es äußerst schwierig, eine gemeinsame Basis zu finden. Durch die Betonung des Unterschieds zwischen den Gruppen werden die Unterschiede innerhalb jeder Gruppe verdeckt, insbesondere diejenigen aufgrund der sozialen Schichtzugehörigkeit. Z.B. kann ein gebildeter Türke aus einer Großstadt mehr Gemeinsamkeit mit einem gebildeten Großstadt-Deutschen aufweisen als mit einem Türken ländlicher Herkunft. Das wird jedoch dadurch verdeckt, dass alle Türken einerseits als untereinander gleich und andererseits als verschieden von allen Deutschen klassifiziert werden. Diese Dichotomisierung enthält versteckte Hierarchien. Die Verhaltensweise der einen Gruppe wird als höherwertig angesehen als diejenige der anderen.

Einen positiven Effekt hat es , wenn die wertvollen Aspekte der anderen Kultur betont werden, jedoch behaftet mit dem Risiko des Kulturrelativismus: alles, was gut für Mitglieder der Dominanz Kultur ist, ist verschieden von dem, was gut für Mitglieder der Migrantengruppe ist. Aus getrennt aber gleichberechtigt wird getrennt und ungleich.

 Verleugnung der Unterschiede zwischen den Kulturen. Dieser Voreinstellung liegen Aussagen zugrunde wie „wir sind alle Teil der Menschheit“ Dies ist zunächst unwiderlegbar. Das Problem besteht darin, dass die zugrundeliegende Annahme der Gleichheit oft bedeutet „mit mir selbst gleich“, wodurch die Qualitäten des anderen nicht genau gesehen werden können. Die wohl problematischste Auswirkung dieser Einstellung liegt darin, den unterschiedlichen Einfluss des sozialen Umfeldes auf Individuen zu ignorieren, d.h. die Unterschiede in Status, Macht und Ressourcen. Mitglieder der dominanten Majoritätskultur und Mitglieder der Minoritätskultur profitieren nicht auf gleiche Weise von neutralem Vorgehen. – eine gleiche Behandlung ist nicht immer gleichwertig. So kann etwa die neutrale Regel der Pünktlichkeit bei Terminen eine straffende und entfremdende Vorgabe für jemanden sein, dem der Umgang mit ziviler Vertragsgestaltung nicht geläufig ist.. Dieser müsste Gründe für solche Regeln genannt bekommen.

Versuchen wir nunmehr durch eine neue, Vorannahmen überwindende Haltung, Gleichheit im Unterschied und Unterschiede in Gleichheit zu definieren,, ist eine systemische Analyse des Kontextes hilfreich.

Ein praktisches BEISPIEL für die Kommunikation  

  • Haben Sie einen besonderen Namen für dieses Unbehagen?

  • Wie würde dieses Unbehagen in Ihrem Ursprungsland behandelt?

  • Was ist ihres Erachtens die Ursache Ihres Zustandes?

  • Was bedeutet für Sie es  Einwanderer zu sein?

  • Was bedeutet für Sie ein Flüchtling zu sein?

Seit, wie viel Generationen Ihre Familie in Deutschland ist?

Der interkulturelle Kompetenz sollte bereits in der Aus-, Weiter- und Fortbildung des medizinischen Personals zu vermitteln, mehr muttersprachliches Personal einzustellen, ausländischen Ärzten und Psychotherapeuten die Erlaubnis zur Berufsausübung zu erleichtern, niedrigschwellige muttersprachliche Angebote zu erweitern, vermehrt multikulturelle Beratungen und Aufklärungsbroschüren anzubieten sowie vernetzte Dolmetscherzentralen nach dem Hannoveraner Beispiel einzurichten

Persönliche und soziale Ressourcen haben einen unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten von Immigranten- und Asylantenkinder. Sie können auch Nachteile abpuffern, deswegen Wohlbefinden indirekt beeinflussen 

ZUSAMMENFASSUNG

(Abstract of a report provided for the Comission of the European Communities under the title: “Migration and Health, A Health Status Report of the Situation in the European Union) , Prof. Dr. Andreas Geiger,Hochschule Magdeburg-Stendal

MIGRATION UND GESUNDHEIT

-         Gesundheitliche  Auswirkungen der Migration sind Folgen eine Reihe von  komplizierten Sozial-, ökonomischer und politischer Faktoren. So muss  das Gesundheitsmanagement bei Migranten diesen größeren Kontext in Betracht ziehen. Außerdem sind Friede und die Arbeit mit und für Immigranten Vorbedingungen für Gesundheit.

-         Migrantengesundheit ist ein Thema der europäischen Dimension, das Kooperation und Tätigkeit auf der Ebene der europäischen Gemeinschaft erfordert.

-         Migration und ethnische Gesundheitsthemen sollten von den  europäischen Gesundheitspolitiker sowohl auf der EG – Ebene als auch - und bei den Mitgliedsstaaten auf die Tagesordnung gesetzt werden.  Die Fragen von Gesundheits- und Wohlbefinden sollte  ein integrierter Bestandteil der Immigration- und Gesundheitspolitiken der europäischen Länder sein.

-         Bisher haben Gesundheitspolitiker haben  diesem Thema keine genügende Aufmerksamkeit gegeben.  Nur einige Länder haben zur Verbesserung der  Gesundheitssituation der Migranten Maßnahmen ergriffen

-          EG-Kooperation sollte folgende Punkte beinhalten

-   Erfassung der vergleichbaren Daten über Migranten in der Europäischen Gemeinschaft

  • Bildung eines Netzwerks von  Partnern, die auf dem Gebiet der „Migration und Gesundheit“  arbeiten durch Einbeziehung von Experten, Institutionen, Forscher und anwendungs-orientierten Projekten in den europäischen Ursprungs- und Bestimmungsländern arbeiten.

  • Formulierung der politischen Strategien

-          Um den benötigten Konsens zu erreichen , die notwendigen Strukturen aufzustellen, sollten die Möglichkeiten des europäischen Gemeinschaft benutzt werden.

-          Das beinhaltet zukünftige Aktivitäten des öffentlichen Gesundheitswesens einschließlich Gesundheitsinformation, Gesundheits-Monitoring und Berichte über den Gesundheitsstatus sowie Umsetzung des 5.  Forschungsrahmenprogramms ( Framework Programme of Research) das die „Informationsgesellschaft“ beinhaltet. 

Was muss getan werden?

Darausfolgend scheint  dass folgende Feldern sich für weitere Aktivitäten stellen 

      (A)   DATEN 

Es gibt die Notwendigkeit zu definieren was mir  Population unter Studie ( „Migrant „, „ethnische Minderheit“, „Fremde“)gemeint ist . Nationale und lokale Gesundheitsbehörden sollten demographische, epidemiologische, Programmevaluation und Versorgungsdaten sammeln. Das erfordert sowohl qualitative als auch quantitative Vorgehensweisen und Arbeiten in Richtung zur internen Vergleichbarkeit und Standardisation. Es sollten die Informationen berücksichtigt  werden, Informationssammlungsmethoden erfassen, die Ethnizität - und Geschlechtaspekte betreffen.   

(B) Professioneller Training 

 (C ) Gesundheitsförderung

Für Einheimische und Migranten sollen gleichermaßen Zugang zur Information und Prävention garantiert werden. Gesundheitsförderungsprogramme  auf nationaler und lokaler Ebene sollten sollen auf sachliche Belange (infektiöse Krankheiten,  Berufsgesundheit ) zielen 

(D) Gesundheitsfürsorge 

Dieses Vorgehensweise soll als Teil des bestehenden Gesundheitsversorgung  in jedem Land passende und gut zuggängige Gesundheitsfürsorge für Migranten zur Verfügung stellen . Jedoch können spezielle Angebote wie Rehabilitationsprogramme für Opfer von Trauma, Übersetzungsdienste usw. notwendig werden 

 (E) Umsetzung

KONZEPT (VORSCHLÄGE)

- Berücksichtigung der Kinder und Jugendlichen mit Migrationhintergrund bei der Prävention (Vorsorgeheftes, Notfallzetteln, Sprachfreie Medien, Piktogramme, Bilder, Hinweise in Deutschland häufig vorkommenden Fremdsprachen) 

- Mehr Berücksichtigung dieses Themengebietes in der Ausbildung, in den Fortbildungen, in den  medizinischen Zeitschriften und Forschung: Von ca. 9700 ausländischen Medizinstudenten stammen alleine über 1800 aus der Türkei . Man kann viele  Doktorarbeiten über solche Themen vergeben, wie z.B.: Ernährungsgewohnheiten und Folgen / Was muss man bei Gewalt- und Suchtprävention bei Migranten beachten? / Ist das Krankheitsverständnis  bei anderen Kulturen anders? /  Stimmt die Tendenz dass bei jungen ausländischen Mädchen Suizid vermehrt vorkommt, warum? /   Welche Unfälle kommen vermehrt vor? Wie kann man da vorbeugen? / Dass bestimmte Krankheiten etwa gleich häufig kommen besagt nicht immer viel. z.B. Erkrankungen des schizophrenen und des zyklothymen (affektiven) Formenkreises sind in allen bekannten Kulturen gleich häufig, jedoch sind Symptomatik und Verlauf durchaus unterschiedlich. Sicher viele Krankheiten sind nicht nur migrantenspezifisch. Man muss aber die Kumulation der Risikofaktoren  beachten

- Beachtung der Besonderheiten beim Umgang mit den Fremden und Respekt vor anders denkenden. Damit meine ich keineswegs  Ethnisierung oder Exotisierung sondern gleichberechtigte aber kultur-sensible Behandlung. Das muss Studenten, jungen Ärzten aber auch Krankenhauspersonal beigebracht werden. Das Gefühl der Akzeptanz ist für die Kommunikation wichtig. Das muss auch das Praxispersonal lernen. 

- Verständnis und Wissen über die Bedeutung der Muttersprache bei der Identitätsbildung vermitteln. 

- Sich in der Öffentlichkeit für die Belange der Migranten wie bei anderen Sozialbenachteiligten einsetzen. Die Pädiater sind Anwälte der Kinder- und Jugendlichen. Menschenunwürdige Zustände müssen vermieden werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist in den Krankenhäusern, dass manchmal Putzfrauen oder kleine Kinder vor einer Operationseinwilligung übersetzen müssen. Ärzte müssen sich für staatlich bezahlte Dolmetscherdienste einsetzen. Die Dolmetscher müssen für den Einsatz im Gesundheitsbereich ausgebildet sein. Die vom Staat finanzierten Telefon-Dolmetscherdienste sind in vielen europäischen Ländern eine Realität.

Der Erfolg von Integrationsbemühungen lässt sich daran messen, inwieweit ein gleicher Zugang zur gesundheitlichen Versorgung realisiert ist und die Medizinangebote den besonderen Erfordernissen der Versorgung von Migrantinnen und Migranten Rechnung tragen.

 

LITERATUR: 

- Cerci, F., Abhängigkeit und Sucht bei Migranten – ein Kapitel für sich, päd(7) 2001, S.241-244

- Children and Youth New to Canada, A Healthcare Guide, 1999, Canadien Paediatric Society 

-David, M., Th. Borde, H. Kentenich (2002) Ist die Hyperemesis gravidarum heute vor allem eine Erkrankung von Migrantinnen? Zeitschrift für Geburtshilfe   und Frauenheilkunde 62, 2002, 327-332

- Fisek G. O., Schepker R., Kontext-Bewusstheit in der transkulturellen Psychotherapie: Deutsch-türkische Erfahrung, in: Familiendynamik, Heft 4, 22. Jg., Okt. 1997, Klett-Cotta-Stuttgart  

- Gardemann J., Mashkoori,Zur Gesundheitssituation der Flüchtlingskinder in Münster, Gesundheitswesen 60 (1998) 686-693, Georg Thieme Verlag

- Gardemann J., Müller W., Remmers A. (Hrsg), Migration und Gesundheit, Perspektiven für Gesundheitssysteme und öffentliches Gesundheitswesen, 23. bis 25.3.2000, Hilden,Tagungsdokumentation , Handbuch, Berichte & Materialen Band 17, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf

- Geiger A., Migration and Health, Abstract of a report provided for the Commission of the European Communities under the title: "Migration and Health, A Health Status Report of the Situation in European Union", Magdeburg 1999, in: Gesundheitswesen 2001: 63 Sonderheft 1: S71-S72

- Haas et al., Infektionsepidemiologie, FG33, Robert Koch-Institut, Berlin: in pädiatrischer Zeizung-20004

- Hegemann T, Salman R., Transkulturelle Psychiatrie, Psychiatrie Verlag 

- Koch, E. Schepker R., Taneli S.(Hrsg), Psychosoziale Versorgung in der Migrationgesellschaft, Deutsch-türkische Perspektiven, Lambertus 

- Müller-Wille C., Wenn Seelen wandern...Kultur- und migrationsensible, ressourcenorientierte Beratung auf familientherapeutischem Hintergrund, in: Dokumentation der Fachtagung Mir geht's doch gut - Jugend Kultur und Salutogenese 2000, Landeshauptstadt München, Sozialreferat, Stadtjugendamt

- Riecken A. , Wiedl K.H., Weig W, Die Bedeutung der "Deutschkenntnisse" für die Entwicklung und Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen, Psychiatr. Prax. 2001; 28: 1-3 

- Salman R.,Tuna S:; Lessing A. (Hg.), Handbuch interkulturelle Suchthilfe, Edition Psychosozial 

- Settertobulte W. (2001): Gesundheitliche Lage und Risikoverhalten bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien. In: Marschalk P., Wiedl KH (Hrsg.): Migration-Krankheit und Gesundheit. Aspekte vom Mental Health und Public Health in der Versorgung von Migranten IMIS Schriften, Bd. 10, Universitätsverlag Rasch, Osnabrück (im Druck)

- Schmitt-Rodermund, E., Silbereisen, R. K. & Wiesner, M. (1996). Junge Aussiedler in Deutschland: Prädiktoren emotionaler Befindlichkeit. Zeitschrift für

Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 28, 357-379.

- Schneller T., Salman R., Goepel C.(Hg.),Handbuch Oralprophylaxe und Mundgesundheit bei Migranten, Forum für Oralprophylaxe und Mundgesundheit, Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ)

 

                                                                                       

Referent: Dr. med. Fikret Cerci, geb. 1949 in Istanbul, nach dem Abitur Ende 1966 Migration nach Deutschland, Studium der Medizin an den Universitäten Würzburg und Essen mit Abschluss 1975. Facharztausbildung in den Kliniken in Osnabrück und Salzgitter. Dissertation 1981 an der Universität Würzburg mit dem Thema " Über die Situation türkischer Kinder im Deutschen Krankenhaus". 1982 Anerkennung als Facharzt für Kinderheilkunde und Approbation. Anschließend Niederlassung als Kinder- und Jugendarzt in Detmold. Einbürgerung 1987. 1996 Zusatzbezeichnung Umweltmedizin. 

(Copyright 2002)

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